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Rest-Urlaub: Riding the Rift

Und wo warst Du?

Rest-Urlaub: Riding the Rift

Beitragvon wwwutz » 10.01.2022 13:19

Liebe Karawane

Autsch, ich habe schon erschreckend lange keinen aktiven Beittrag mehr ins Forum gestellt, aber aus bekannten Gründen sind aktuelle Reiseberichte letzte Zeit ja leider etwas rar… Aber gerade weil die „großen“ Touren oder einfach nur unkomplizierte grenzüberschreitende Reisen momentan ja schwierig sind, hoffe ich das auch ein kurzer Bericht über eine kurze Rundfahrt euch wenigstens eine kleine „Reise im Kopf“ beschert. Kommt mit uns auf einen kleinen Ausflug ins Rift Valley!

November 2021
Zwei Wochen Resturlaub müssen schnellstmöglich weg, nach fast zwei Jahren Reiseentzug bin ich aber nicht bereit diesen auf der Couch zu verbringen…. Doch wo kann man im Dezember während Corona sinnvoll (in Sachen bürokratischer und zeitlicher Aufwand) und bezahlbar noch ein paar Tage in den Sattel eines Motorrads steigen? Die Fernziele fallen aus, die letzte Indien-Reise ist noch nicht lange genug her, und in Afrika wütet bereits die Omikron-Variante.


Bei Asterix wäre zu lesen „Wir befinden uns im Dez 2021 n.Chr, ganz Afrika ist von Omikron besetzt. Ganze Afrika? Nein! Ein kleines Land in Ost-Afrika leistet Widerstand… „

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Hmm. Tatsächlich, Kenia lockt mit geringen Inzidenzen, einer unbürokratischen Ein- & Ausreiseprozedur und es bestehen momentan keine Einschränkungen des öffentlichen Lebens.
Kenia ist keine klassische Bike-Destination, im Netzt finden sich daher kaum Zweirad-Verleiher .... und die haben nur fragwürdige 150er aus chinesischer Produktion, oder überpreiste Miet-1200er aus deutscher Produktion, im Programm. Das ganze Feld dazwischen ist unbesetzt. Das Ganze? Nein! In Nairobi gibt es die seltenen Kibo 250er, das Topmodell eines kenianischen Herstellers zu mieten, die „daily rates“ sind ok, also werden flugs zwei Flüge nach Ostafrika gebucht. Das Abenteuer „Kenia auf Kibo“ kann beginnen…

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Fortsetzung folgt…
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Re: Rest-Urlaub: Riding the Rift

Beitragvon DiePfalz » 11.01.2022 08:36

Sehr schön!
Da warte ich gespannt auf die Fortsetzung :wink:
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Nairobi - Mount Kenia

Beitragvon wwwutz » 12.01.2022 09:42

Der Start: Nairobi - Mount Kenia

Als wir ein paar Tage vor Abflug registrieren das wir genau am kenianischen Unabhängigkeitstag ankommen werden, versuchen wir den Kibo-Verleih zu kontaktieren um uns Übergabe-zeit & ort bestätigen zu lassen, alle gesendeten Mails bleiben jedoch unbeantwortet.
Was solls, sobald wir in vier Tagen in Nairobi landen marschieren wir einfach ins dortige Büro - das liegt im belebten Parklands, sowieso eine guter Stadtteil zum „Ankommen“. Doch an der -auf allen Medien aufgeführten- Adresse findet sich überraschenderweise, außer einem alten Schild an der Hauswand, kein Anzeichen von einem Motorradverleih. :shock: Im Gegenteil, in den Räumen ist eine Baustelle, keiner der Arbeiter weiss etwas und auch in den benachbarten Geschäften kann niemand eine Auskunft geben die über ein „die sind nicht mehr hier“ hinausgeht. :evil:
Keine E-Mail-Antwort, das Büro in Luft aufgelöst, ob wir die -üppige- Reservierungsgebühr je wiedersehen? Na super, wenn das nicht mal alle Afrika-Klischees erfüllt!

Wir geben uns den Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag hin, die aber sicherlich keinen Deut wilder ausfallen als die normalen Wochenends-Events in Nairobi - hier wird immer gerne lang hart gefeiert, getrunken und getanzt! Hochprozentigen Stoff gibt es in den "Discos" nur flaschenweise so dass sich "Trinkergruppen" bilden, auf eine Tanzfläche wird jedoch meist verzichtet. Es wird einfach überall zwischen den Tischen und in den Gängen getanzt - für Europäer ein eher ungewohntes Ambiente.
Als wir genug Lokalkolorit aufgenommen haben bemerken wir zurück im Hotel das unsere Unterkunft sich Mitten im Epizentrum der Bassboxen von gleich drei (!) Etablissements befindet, so dass wir in den Genuss eines wirklich außergewöhnlich dissonanten Sound-Erlebnis kommen. Aber Schwamm drüber, genau dafür gibt es wahrscheinlich das Regal an der Wand. Der Jet-leg und die Tusker lassen uns irgendwann einschlafen. 8)


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So begrüßt uns das Hotel

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In Nairobi wird viel gefeiert, Wochenende hin, Feiertag her
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Auch traditionell wird gerne und viel gegrillt, meist ganze Arme oder Beine
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Der nächste Morgen startet dann doch verheißungsvoll, ist wenigstens unsere Whats-App Nachricht tatsächlich zum Verleiher durchgedrungen und beantwortet worden. Die neue Büro-Adresse ist nun endlich auch uns bekannt („oh, hab ich euch das nicht mitgeteilt??“) und tatsächlich findet sich ein anderer Mitarbeiter mit nur einer Verspätung von 1h an der verabredeten Stelle ein und wir können endlich unsere Kibos in Empfang nehmen. Ein schöner verschleppter ganz "afrikanischer" Auftatkt der Tour, aber wir wolltens ja nicht anders :).
Jetzt kanns endlich losgehen, auf zum Mt Kenia!

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Kibo K250, startbereit

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Doch der Berg zeigt sich uns leider gar nicht, weil komplett wolkenverhangen. :-( Später sollten wir erfahren das dies an wohl „ca 360 Tagen“ im Jahr so ist und selbst mancher Kenianer den Gipfel nur von Fotos kennt. :D
Aber wir überqueren zum ersten Mal den Äquator - was natürlich fotografisch unbedingt festgehalten werden muss. Doch wir kreuzen auf dieser Tour ständig die 0-Grad-Linie, bei den späteren Querungen beruhigt sich das Ganze dann ein bisschen - versprochen :wink: .


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Nachdem wir den Einzugsbereich von Nairobi verlassen haben, wird der Verkehr zwar zusehends ruhiger, aber ein Großteil der Hauptverkehrsadern wird gerade renoviert und so fahren wir mehr neben der A2 her & durch Baustellen, als das wir lässig darüber gleiten. Dies ändert sich erst nachdem die dicht besiedelten und grün bewachsenen Hügel rund um das MtKenia-Massiv verlassen und auf die Laikipia-Hochebene einbiegen.


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Der bereits fertige Teil der A2

Was für ein und krasser Wechsel. Ging es bisher in kleinen grünen Tälern meist bergauf, breitet sich plötzlich - topfeben bis zum Horizont- eine graubraune, windgepeitschte Steppe vor uns aus. Kein Wunder das hier die Royal- und Kenya Air Force ihre größten Anlagen betreiben … selbst am Pub steht zur besseren Erreichbarkeit für die Luftakrobaten ein Heli-Pad zur Verfügung :) !

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Arbeitsloser Overlander... momentan sind extrem wenige Touristen unterwegs

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Arbeitsloser Landy

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The Nook in Nanyuki, stimmungsvolles Openair-Restaurant mit toller Fusion-Küche
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Doch es ist noch zu früh, wir lassen die Flieger-Tränke links liegen und fahren weiter bis Nanyuki. Dies wird zumindest mit einen Live-Konzert belohnt das noch im Rahmen des Feiertags stattfindet, auf eine schöne Aussicht auf die Gipfel warten wir jedoch vergebens, auch am nächsten Tag. Auch die geplante Direktroute über die Ebene zu den nördlichen Seen des Rift Valley erweist sich als schlecht (Straßenzustand) und teuer (durchläuft einen privaten Gamepark, Eintritt 70 USD/Person!). Zugleich verläuft die alternative Strecke ebenfalls durch einen NP, und wir sind zu geizig um die 25 USD zu zahlen, so dass wir gezwungen sind einen Teil der gestrigen Strecke zurück und dann zick-zack zu fahren … und deutlich länger auf den Böcken sitzen als eigentlich gewünscht. Aber schon spüren wir den Sog des Rift Valley, die Straßen sind traumhaft, die Landschaft wird mit jedem Meter spektakulärer und das biken ist ein Riesenspaß!

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Re: Rest-Urlaub: Riding the Rift

Beitragvon tdmdonner » 12.01.2022 20:37

Klasse, weiter so! Tolles Notprogramm!
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Nanyuki - Lake Naivasha

Beitragvon wwwutz » 13.01.2022 20:42


Zum See: Nanyuki - Lake Naivasha


Die traditionelle kenianische Küche ist recht fleischlastig und überall gibt es Grillrestaurants (meist Ziege od Hammel), doch auch die Indischen und Arabischen Einflüsse von der Küste haben Einzug in die Speisekarten gefunden und bieten exotische Auflockerung. Bisher haben wir jeden Abend exzelent getafelt. Das Frühstück ist allerdings immer Englisch und selbst wann man die Furzbohnen ab-bestellt gibt’s davon aus Trotz eine extragroße-Portion :o

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Wir starten entlang des Aberdare NP, aber die dicken Regenwolken darüber (eigentlich sollte die Regenzeit bereits vorüber sein) machen die Entscheidung leicht nicht durch den Park, sondern um die Aberdare-Berge nördlich herum zu umfahren. Nach Überschwemmungen und Corona ist die Verfügbarkeit von Herbergen an den nördlichen Rift Valley Seen unklar, und auch online lässt sich keine „ordentliche“ Unterkunft finden, so planen wir wieder nach Süden zu schwenken und am Lake Naivasha unterzukommen. Wir haben aber noch nicht den richtigen Blick für die kenianischen Straßen, so verpassen wir den Abzweig zu den Thompson Falls genauso wie die kürzeste Strecke hinunter ins Valley. Doch die aktuelle Route bringt uns die erste Pause mit Aussicht auf den Grabenbruch und der (Um)Weg durch das bezaubernde Subukia-Tal ist keine Strafe. Der Preis für diesen gelungenen Fahrtag ist allerdings das wir nun ein Stück der berüchtigten A104 fahren müssen, die angeblich gefährlichste Strecke in ganz Kenia…


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Die ersten Blicke in Valley (eigentlich nur ins Subukia-Tal)

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Die Kenianer sind kontaktstark, super interessiert, und fast immer für jeden Spaß zu haben

Warum gefährlich, ist die Gasse so schlecht?
Nein, im Gegenteil, die Fahrbahn ist ZU gut! Jedoch wälzt sich der ganze Schwerverkehr zwischen dem Hafen in Mombasa und dem ostafrikanischen Hinterland und Uganda als geschlossene Karawane über diese Fernverbindung; dazwischen drängelnden die Matatus, Fernbusse und wenigen, dafür aber hoch motorisierten, Privatwagen vollkommen rücksichtslos. Das Fehlen von Speedbumps und die breite Fahrbahn laden die gehetzten Fahrzeuglenker zu 2-3reihigen Überholmanövern ein, so dass entgegenkommende Bikes (wir!) öfters in den Straßengraben flüchten müssen. Ich bin nicht ängstlich, solche KFZ-Hierarchien kenne ich auch aus Indien, doch da wird der Vorgang freundlich per Hupe angedroht und passiert bei 30 Km/h… hier wird bei 90 einfach rausgezogen und die lästige Kibo von der Bahn geschupst :shock: ! Leider hat meine Helmkamera Probleme mit ihrer Speicherkarte, daher hier keine Fotos von den zahlreichen Close Encounters…

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Wir flüchten von der A104 in die Ruhe einer Tankstelle
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Endlich unbeschadet am Lake Naivasha angekommen fahren wir entlang endloser Blumen-Plantagen zum Südufer und finden im Carnellys Camp eine mehr als adäquate Bleibe. Eine weitläufige Anlage in einem schönen „Garten“, mit Seeblick, urwüchsigem Restaurant/Bar mit gemütlichen Lümmelecken, vielversprechender Speisekarte, dazu idyllischen Bandas nahe dem Ufer. Der Uferstreifen selbst ist ganz der Natur überlassen und so tummeln sich zwischen den entwurzelten Bäumen unzählige Vögel und auch ein "Haus&Hof" Hippo, die man alle wunderbar von seiner Veranda aus beobachten kann. Das ist der krasse Gegensatz zum Getöse in Nairobi und dem Gedrängel auf der Autobahn und kommt uns gerade richtig recht. Das Ganze gefällt uns so gut, wir beschließen gleich mehrere Nächte zu bleiben.



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Mango-Panacotta!!!

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Und täglich grüßt das Hippotier

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Fortsetzung folgt…
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Rund um Naivasha

Beitragvon wwwutz » 16.01.2022 16:33

Wenn ich den See seh…

Wir vertreiben uns die Zeit mit Tagestouren und erkunden die Strecken rund um den Naivasha-See...

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Bewölkter Himmel, aber trotzdem ziemlich hot…

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Es gibt gute Wege...

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...und weniger gute Wege.


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Mit den Mopdes kommen wir zwar nicht zu den wilden Tieren in die Parks, ...
aber was solls wenn die wilden Tiere alle zu uns raus kommen??


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Überall wo wir auftauchen gibt’s Daumen hoch und freundliches Lächeln, einzige kleine Ausnahme sind die Passanten die uns fälschlicherweise mit freien Moped-Taxis verwechseln :-D.
Aber dieser Kollege hier schießt den Vogel ab. Haben wir ihn/er uns mit seinem Transporter schon gegenseitig mehrfach wild hupend überholt - er uns beim Foto-Stopp, wir ihn am nächsten Berg, dann wieder er uns usw-, geht er bei unserem nächsten Fotohalt neben uns brutal in die Bremsen, springt aus dem Führerhaus um jeden einen freundschaftlichen Fistbump zu verabreichen, springt zurück ins Auto und düst nach 10 Sekunden schon wieder „Karibu“ rufend davon. Wir bleiben kopfschüttelnd und hemmungslos begeistert stehen :-D!



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Hier das Food-Foto des Tages: die Versorgung inKenia ist wirklich gut, doch beim Speiseeis gibt es einen kleinen Unterschied zw Sollzustand und Realität.

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Kompletter Wohnungs-Umzug auffem Moped - nicht ungewöhnlich in Kenia

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Das Zweirad dann zu überholen und den Überholenden dann seinerseits auch noch zu überholen - erst recht nicht ungewöhnlich in Kenia

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Wir genießen die Zeit am See außerordentlich, kommt doch jetzt auch langsam richtig Afrika-Feeling und ordnungsgemäße Stimmung auf!

Fortsetzung folgt…
Zuletzt geändert von wwwutz am 17.01.2022 19:23, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Rest-Urlaub: Riding the Rift

Beitragvon DiePfalz » 16.01.2022 18:11

Das war eine tolle Tour, die Ihr da gemacht habt!
Klasse Fotos und das Bild mit der Giraffe ist megaklasse :!:
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Re: Rest-Urlaub: Riding the Rift

Beitragvon tdmdonner » 17.01.2022 17:34

Man und das wo es hier nur kalt und am Regnen ist ;-)
Wie viel PS haben die 250er überhaupt?
Bitte weiter...
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Re: Rest-Urlaub: Riding the Rift

Beitragvon Big-J » 17.01.2022 18:16

Was für ein schöner Reisebericht.
Ja, bitte weiter! :D
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Re: Rest-Urlaub: Riding the Rift

Beitragvon wwwutz » 17.01.2022 19:34

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Vielen Dank zusammen für die Blumen!
:D :D :D
Natürlich gehts noch weiter ... ich hoffe ich nehm nicht zuviel Spannung raus wenn ich sage das die wirklichen Höhenpunkte noch kommen :wink: !

tdmdonner hat geschrieben:Wie viel PS haben die 250er überhaupt?

Sollen ca 17 PS sein (im Neuzustand und auf Meereshöhe :lol: ). Die tatsächliche Performance scheint mir aber leicht darunter...
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Naivasha - Marigat - Kabernet- Iten

Beitragvon wwwutz » 18.01.2022 18:49

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Look up!

Naivasha - Marigat - Kabernet- Iten

Abends kommt regelmäßig das Hippo zum Grasen ans Ufer, die Affen springen in den Bäumen und morgens trällern uns die Vögel wach, das fühlt sich an als würde man mitten in einem Zoo wohnen. Doch auch wenn das Ufer-Camp mit seinem Feeling uns bezaubert, wir wollen weiter, wir wollen hoch hinaus, wir wollen endlich in die Berge! Doch dafür müssen wir ertsmal ein bischen runter ...


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Gleich hinter Nakuru geht’s rechts ab Richtung Marigat und sofort ändert sich die Landschaft. Nun wird’s flach, trocken und heiß - und mit jedem gefahrenem Meter wird’s immer heißer. Die Straße führt über Kilometer schnurgerade entlang der Seen des Valley Botton, wieder queren wir den Äquator, doch diesmal in gänzlich wüstenhafter Umgebung…

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Am Horizont der Lake Baringo

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Kurz vor Marigat verlässt man den Talgrund, plötzlich geht’s wieder aufwärts, plötzlich wird’s wieder grün..


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Die Tugen-Hills rund um Kabernet- traumhafte Straßen, traumhafte Aussicht

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Blick zurück zum Baringo-See

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Wir haben nicht mitgezählt, aber es sind tatsächlich viele Kurven…

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Italien hat das Stilfser Joch, Kenia die Strecke von Kabernet nach Iten

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Die Chebloch-Gorge, die engste Stelle im Kerio-Valley

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Iten. Ein echter Höhepunkt ist erreicht…
IN Iten wird viel gelaufen (mehr dazu später), doch NACH Iten ist mit Sicherheit die spektakulärste Motorrad-Strecke in Kenia. Dies ist die Heimat-Region des ehemalige Präsidenten Moi, dieser hat zu deren besserer Anbindung dieses wunderbare Asfaltband quer über die Tugen-Berge und hinauf auf das Elgeyo- Escarpment legen lassen -und Bikern damit dem Himmel näher gebracht (im wahrsten Sinne des Wortes). Wüste, Natronseen, Dschungelberge, Serpentinenstrecken, eintausend Höhenmeter abwärts zu den Seen, dann bergauf bis 2000 mNN, tief hinunter ins Kerio-Tal und wieder aufwärts aufs mächtige Escarpment, bis rauf nach Iten auf 2400 .... der heutige Tag war wie Achterbahnfahren.
Mit Sicherheit DAS Sahnestück in der kenianischen Zweiradklasse.

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"Hütte" mit Aussicht, unser Homestay bei Iten

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Doch nicht nur das auf und ab-gefahre und die merklich dünne Luft hier oben machen schwindelig, auch die Aussicht vom Rand des Grabenbruchs raubt uns den Atem. Von der Rasenkante unserer Unterkunft gehts 1400 Meter runter - die Bilder können der Wirklichkeit hier nicht gerecht werden- wir stehen einfach nur und staunen…

Fortsetzung folgt…
Zuletzt geändert von wwwutz am 21.01.2022 22:44, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Rest-Urlaub: Riding the Rift

Beitragvon xix » 19.01.2022 13:54

Super Reisegeschichte. Echt toll. Vielen Dank :D
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Iten - Kapsowar - Tot - Iten

Beitragvon wwwutz » 20.01.2022 11:00

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Off the beaten track

Iten – Kapsowar -Tot - Iten

Das Kilima-Resort ist ein „Homestay“, dh von einer einheimischen Familie geführt, mit der auch zusammen in deren Wohnzimmer gegessen wird. Hier oben sind die Nächte schon ziemlich frisch und bis wir zum Frühstück aufgetaut sind, sind die Kinder bereits in der Schule - das ist gut, so bleibt uns der Kampf ums Nutella erspart :D . Abgesehen davon gibt’s hier das beste und wohl auch gesundeste Breakfast auf der ganzen Tour (und endlich mal keine Bohnen!).

Das milde Gebirgsklima und die Lage von Iten hoch oben am Ende eines Plateau (es ist wirklich verrückt, Richtung Eldoret ist alles topfeben, doch dreht man sich um geht’s eineinhalb Kilometer senkrecht bergab) macht dies zum perfekten Höhen-Trainingslager. Überall, wirklich überall rennen (ja- rennen) Menschen (schwarz wie weiß) in engen Hosen und bunten Schuhen durch die Szenerie. Iten hat schon mehrere Weltmeister hervorgebracht und selbst die großen Sportartikelmarken haben hier Niederlassungen in der Stadt. Aber auch wenn alles auf Sport getrimmt ist: wir haben keine Eile, deshalb laufen wir nicht sondern fahren… :D

Heute gibt’s eine Tagestour durch die Cherengani-Hills hinunter nach Tot, dort wird uns auch die Hitze wieder einholen.

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Sind in Europa die Berge ja unten bewachsen und oben kahl, ist es in den Tropen deutlich umgekehrt. Unten, in den heißen Niederungen, brennt die Sonne alles weg, während sich die Wolken an den Gipfeln abregnen und oben üppiges Grün erscheint. Das verwirrt die gewohnte Wahrnehmung. Satte Wiesen, kühle Bäche, dazwischen ein paar schwarzbunte Rinder. Das fühlt sich an wie die Rhön, wir sind aber fast auf der gleichen Höhe wie die Zugspitze!


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Hinter Kapsowar wird’s dann noch mal richtig spannend, hier mäandert die kleine „D“-strasse direkt entlang der Abbruchkante zum Rift - und ist überraschenderweise nagelneu geteert 8) . Ab Chesoi fällt sie dann ganz waghalsig steil abwärts Richtung Tot...
Wow!




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Ein gut gewählter Rastplatz


Leider schaffen wir es zeitlich nicht mehr den Kreis um die andere Seite der Cherengani-Hills herum zu schließen (was seeehr spannend gewesen wäre) und fahren deshalb auf gleicher Strecke zurück, aber das macht nix, alleine dieser Richtungswechsel bieten wieder ganz andere verlockende (Aus)Blicke. Apropos Blicke: offensichtlich verirren sich sonst nur sehr wenige Menschen von Ausserhalb hierher- hier sind wir nun wirklich „off the beaten track“. Bereits auf dem Hinweg haben wir massig Aufsehen erregt, vor allem bei den Kindern. Aber als wir nun den Rückweg antreten ist ein Anhalten fast unmöglich. Wir waren unvorsichtig und haben in der Nähe einer Schule gestoppt (von denen es hier, auf Grund der kenianischen Alterspyramide, entsprechend viele gibt). Von weitem hören wir schon die „Muzungu“-Rufe, es wird gerannt und geschuppst und sofort ist eine „youyou“ & „hellohello“ -schreinende Blase von Kids um uns. Kleiner Tipp: nach Schulschluss seinen Rastplatz mit Bedacht wählen :)

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Nicht die ganze Strecke ist in super Zustand

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Die vielleicht einzige Stelle am Escarpment mit (noch) schönerer Aussicht als von unserem Kilima-Resort

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Von der Strasse bis Kilima = 4 Km Feldweg

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Wir schaffens aber gerade noch zum Sonnenuntergang nach Hause!

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Heur geht nix mehr ohne 5V-USB, da muss man schon tricksen um über Nacht alles durchzuladen :wink:

Fortsetzung folgt...
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Iten - Kabernet - Eldana Ravine - Naivasha - Nairobi

Beitragvon wwwutz » 21.01.2022 22:43

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Zurück zum See

Iten - Kabernet - Eldana Ravine - Naivasha - Nairobi

Die Zeit geht uns langsam aus und so müssen wir die Umrundung der Cherengani-Hills leider auf den nächsten Kenia-Urlaub verschieben. Wir entscheiden uns aber dazu nicht in einem Tag nach Nairobi durchzubrausen (was durchaus möglich wäre), sondern lieber zwei Tage locker zu fahren und noch mal eine Nacht Stop-Over am Naivasha-See einzulegen. Der liegt eh auf dem Weg und das gibt uns genug Luft ein paar Umwege und noch einmal ein Stück über die C51, die wundervolle Kabernet-Strecke zu fahren.

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Die Kibos sind, trotz der KTM-Optik, doch eher Agrar- als Rallye-Bikes und haben Geometrie– und Fahrgefühl eher wie Cruiser :D . Aber sind sie bequem, recht komplett (großer Gepäckträger, E- und Kickstarter) & modern ausgestattet (mit digitalem Dash, 5V-Dose und LED-Beleuchtung), zuverlässig und robust. Die einzige Schwachstelle und der einzige Ausfall (durch Umfall) ist eine linke Fußraste. Im nächsten Dörfchen hilft der örtliche Klempner gerne mit seinen selbstgebauten Werkzeugen den Tritt wieder in eine halbwegs fahrbare Form zu bringen.

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Selbst abseits der Hauptachsen finden sich überraschend nette Locations und tatsächlich machen hier Einheimische aus dem schwülheißen Somaliland Urlaub und genießen die frischen Brise (ansonsten gibts hier wirklich nix zu sehen)

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Zurück in der Zivilisation hat der Verkehr, und die Baustellen, uns wieder :lol:

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Hells Gate, einer der wenigen Parks die man mit dem Bike besuchen könnte... wir verzichten aber. Haben wir doch viel Wildlife entlang der Pisten- und selbst entlang der größeren Straßen, gesehen. Nicht falsch verstehen: ich finde es ok das die (ausländischen) Touristen etwas mehr bezahlen als die Einheimischen und die Parkverwaltungen machen ihr Preisgefüge auch transparent, aber die aufgerufenen Eintritte für Muzungus sind mit dem 7-10(!)fachen der „Locals Fee“ wirklich heftig (obwohl zZt sogar verbilligt!).

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So fährt man in Afrika zur Tea-time.
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Wir genießen noch einmal die hervorragende Infrastruktur, hier am Lake Oloidien
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Zum Affen-fotografieren muss man schnell sein :D

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Wer etwas anderes als Bier sucht wird im Supermarkt nicht fündig, sondern muss ins Fachgeschäft
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Dieses hier hat sogar eine eigene Wasser-Abfüllung :D
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Morgen heists zeitig aufstehen, morgen früh müssen wir zurück nach Nairobi die Bikes abgeben...
Wir genießen den letzten Abend auf unserer Seetereasse und mit diesem Sundowner beenden wir ganz gemütlich die „Kenia auf Kibo“-Runde...
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Zuletzt geändert von wwwutz am 21.01.2022 22:59, insgesamt 1-mal geändert.
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Wissenswertes:

Beitragvon wwwutz » 21.01.2022 22:58

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Wissenswertes:

Zusammenfassung
Kenia ist keine Top-Motorrad-Destination, trotzdem lässt sich hier auf dem Bike viel Spaß haben. Offensichtlich mit einer Enduro auf 100% Offroad-pisten quer durch den „Busch“ oder alternativ auch ganz gemäßigt wie zur beschriebenen Tour durchs Rift Valley. Menschen mit mehr Zeit können diese auch bis zum Turkana-See (nördlich), Cherangani-Hills (westlich) bzw Massai Mara (südlich) verlängern, oder auch die Gegend rund ums Mount Kenia -Massiv ausgiebiger bereisen (Hinweis: dieses ist meist unsichtbar da in Wolken). Touristische Highlights hat Kenia genug zu bieten, allerdings dürfen die (allermeisten) Nationalparks nicht mit Motorrädern befahren werden (hier ist der Biker auf eine gebuchte Tour angewiesen). Inlandsflüge sind preiswert (one-way ca 80 €), so dass auch eine „Badeverlängerung“ an Kenias wunderschöner Küste einfach & günstig möglich ist (oder der zweiradkritische Teil der Familie gut am Strand geparkt werden kann :lol: ).

Klima/Reisezeit
Wer nach Kenia reist, sollte die Regenzeiten meiden. Die stärksten Niederschläge gibt es von Mitte März bis Mai, mit schwächeren Niederschlägen muss man in der Zeit von Oktober bis November rechnen. Die beste Reisezeiten für eine Reise nach Kenia sind von Mitte Dezember bis Mitte März und von Juni bis Oktober. In den Bergen des Rift Valley kann man gut der Hitze des Tieflandes bzw Schwüle der Küste entkommen, abends ist aber ein Pulli ratsam!

Motorradfahren
Außerhalb der großen Städte vollkommen relaxt, nur auf der A104 (und den parallelen Strecken nahe Nairobi) muss man sich drauf gefasst machen bei Bedarf auf die Seitenstreifen zu flüchten – so dieser vorhanden ist. Die Hauptverkehrsstraßen strahlenförmig von Nairobi weg sind alle geteert, die Tangenten bzw je weiter weg von der Hauptstadt desto schlechter der Teer bzw umso mehr Piste. Infos dazu siehe unten unter „Karten“

Anreise
Direktflug (ca 9h) von FRA nach Nairobi mit der Hansa, andere Destinationen bzw Gabelflüge am besten mit der Ethiopian Airline (ca 13h incl 4h Stopover in Addis Abbeba)

Unterkünfte/ Übernachtung
Das Preisniveau für touristische Unterkünfte in Kenia ist erstaunlich hoch, bei wirklich schönen Locations fast schon unverschämt. Brauchbare Hotels finden sich fast überall, wir ziehen jedoch Overlander-Camps oder Homestays vor (die tatsächlich nicht so zahlreich sind). Hier zwei herausragende Unterkünfte:
• Naivasha: http://www.campcarnelleys.com/ mit der Lazy-Bones Bar, schönes Gelände, tolle Bandas am Seeufer, Vogelparadies & täglich Besuch vom hiesigen Hippo
• Iten, Kilima Resort: https://www.kilima-resort.com/ „Homestay“ in Bandas bei einer lokalen Läufer-Familie, sauschwer zu finden, aber mit einer gesegneten Aussicht! Top-Tipp!

Essen/Trinken:
Das Essen in einem Restaurant liegt bei ca 10-12 € und ist damit nur unwesentlich teurer als eine Kaschemme am Wegesrand (da ca 7-10 €), so hatten wir mittags meist nur einen kleinen Snack und dafür aber abends ausgiebig und „besser“ getafelt. Hier ein paar herausragende Gastros:
• Nanyuki, The Nook: https://thenook.co.ke/, stimmungsvolles Openair-Restaurant/Bar mit kleiner karte aber klasse Fusion-Küche
• Naivasha, Lazy Bones Bar: http://www.campcarnelleys.com/bar-and-restaurant, Lagerfeuer & Liegen, drinks & food super
• Lake Oloidien, Ranch House Bistro: https://de-de.facebook.com/ranchhousenaivasha/, mit Seeblick, nur tagsüber, nen Ticken teurer, aber schon fast richtig nobel

Literatur/Karten:

In Afrika ist Abenteuergeist gefragt: :D
Vieles was in den aktuell erhältlichen (wg Corona auschließlich überalterten) Reiseführern steht stimmt nicht (mehr). Gerade abseits der touristischen Hauptachsen hat es viele kleine gemütliche Unterkünfte/Restaurants dahingerafft. Am besten kurz vorher die jeweilige Facebook-Site checken, wenn dort die aktuellen Beiträge älter als 6 Monate sind gibt es diesen Laden wahrscheinlich nicht mehr.
Papierkarten (RKH) und OSM fürs GPS sind beide an vielen Stellen lückenhaft/falsch/überholt oder widersprüchlich – je weiter weg von Nairobi umso mehr. Und selbst offiziell „B“-klassifizierte Straßen können ungeteerte Feldwege sein, dazu noch in schlechten Zustand. Doch es wird viel gebaut in Kenia, dh das selbst Hauptverkehrsstraßen über Kilometer hinweg über Umleitungen durch Baustellen verlaufen, während überaschenderweise eigentlich unbefestigte „C“ oder „D“-Routen frisch geteert sind. Einfach mehr Zeit einplanen :o !
Einzige zuverlässige (wenn auch schön ältere) Info über Straßen und -zustände gibt’s hier:
https://maps.krb.go.ke/kenya-roads-board12769/maps

Bild

Tour Check:
Distanz: ca 1800 Km
Schwierigkeit: einfach, jedoch sollte man sich auf Linksverkehr und die Kenianische Fahrweise auf den Schnellstraßen gegenüber Zweirädern einstellen (vorwiegend um Nairobi/auf derA104)
Zeitaufwand: reine Fahrzeit 7 Tage (mit ca realen 250 Km/Tag rechnen)
Motorrad: Kibo K250 (https://kibo.bike/the-bikes/the-k250), keine KTM, sondern eher ein Agrar-Bike, doch robust, zuverlässig und mit ihren 17 PS der König der Berge!


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